KOXARTHROSE
primäre und
symptomatische
Koxarthrosis
Als Koxarthrose (Koxarthrosis) wird die Arthrose des Hüftgelen ks bezeichnet.
Man unterscheidet bei der Koxarthrose zwei Formen:
1. Primäre Koxarthrose. Darunter versteht man eine Eigenerkrankung des Hüf tgelenks in Form einer anlagebedingten Minderwertigkeit des Gelenkknorpels ohne Vorerkrankung.
2. Symptomatische Koxarthrose nach Vorerkrankungen. Typische Vorerkrankungen sind z.B. die rheumatische Arthritis (= Gelenkentzündung), kongenitale Hüftluxationen (= angeborene Hüftgelenkausrenkungen), Schenkelhalsbrüche, id iopathische (= ohne erkennbare Ursache entstandene) Nekrosen (= örtlicher Gewebstod) des Hüftkopfes.
"Arthro" ist
ein altgriechisches Wort und bedeutet "Gelenk" und die Endung "ose" steht für
einen nichtentzündlichen krankhaften Zustand. Bei einer
Arthrose handelt es
sich demnach um eine nicht entzündliche
Gelenkerkrankung.
Der Wortteil "Kox" kommt
von Coxa und bedeutet Hüf
te.
Das Wort "primär"
besagt, daß der krankhafte Zustand selbständig, d.h. ohne erkennbare Ursache,
entstanden ist und das Wort "symptomatisch" weist darauf hin, daß die
Krankheitszeichen kein eigenständiges Krankheitsgeschehen darstellen, sondern
als Folge einer Schädigung oder einer (anderen) Krankheit auftreten.
Die Koxarthrose ist die häufigste Erkrankung des Hüftgelen ks und damit auch die die häufigste Ursache für einen Schmerz in der Hü fte.
Die Koxa
rthrose
ist eine vorwiegend degenerative
(= abnutzungsbedingte)
Gelenkerkrankung,
hauptsächlich des Gelenkknorpels, die (mit großen Schwankungen) erst mit
zunehmendem Alter auftritt. Es bestehen chronische, schmerzhafte, zunehmend
funktionsbehindernde Gelenkveränderungen (Gelenkverschleiß)
infolge eines Mißverhältnisses zwischen Belastung und Belastbarkeit des
Gelenkknorpels.
Die Ausbildung einer
Koxa
rthrose
und der damit verbundenen
Schmerzen kann
durch mehrere Faktoren begünstigt werden. So z.B. durch Vorschädigungen infolge
eines Unfalls oder auch eigenständige
Gelenksentzündungen
(Coxitis). Darüber
hinaus können auch permanente Fehlbelastungen z.B. bei Fehlstellung der
Beine (X-
oder O-Bein
e) zu einer
Koxa
rthrose
führen. Zur Prävention
(= Vorbeugung)
sollten deshalb präarthrotische
(= einer
Arthrose
vorausgehende, begünstigende)
Deformitäten (= Fehlbildungen)
beseitigt werden.
In den meisten Fällen beginnt die
Koxa
rthrose
mit einer schmerzhaften
Bewegung
seinschränkung bei der Innenrotation
(= Einwärtsdrehen)
des Beines, zunächst auch nur zu Beginn der Bewegung (sog.
Anlaufschmerzen).
Typisch für
Hüfterkrankungen
sind auch
Leistenschmerzen,
die über die innere und vordere Seite des
Oberschenkel
s bis zum
Knie
ausstrahlen können. Die Ausbildung von
Schmerzen hängt vom
Ausmaß der sog. Begleit
synovialitis (Begleit-synovitis)
(= begleitende En
tzündung der
Gelenk
innenhaut)
ab. Im weiteren Verlauf kommt es zu Kontrakturen
(= unwillkürliche
Dauerverkürzung von
Muskeln bzw.
Muskel
gruppen),
Gelenk
ergüssen (=
krankhafte Flüssigkeitsansammlung im
Gelenk)
und Kapselverdickungen. Auch ändert sich allmählich das Gangbild, weil
der Patient das Gewicht mehr auf die gesunde Seite verlagert, um damit eine
Erleichterung der
Schmerzen zu
erreichen.
In den letzten Jahren hat die operative Behandlung der schmerzhaften Koxarthrose große Bedeutung erlangt. Folgende Methoden stehen zur Verfügung:
Die Methoden der modernen Schmerztherapie bieten optimale Voraussetzungen für eine nachfolgende Anschlußheilbehandlung (Anschlußrehabilitation). Mehr darüber erfahren Sie hier: http://www.anschlussheilbehandlung.co.uk (einfach anklicken).
Nicht wenige Patienten mit Schmerzen aufgrund einer Koxarthrose kommen aber zum Schmerztherapeut bzw. in Schmerzkliniken, weil sie eine Operation vermeiden bzw. zeitlich hinauszögern wollen oder eine Operation aus anderen gesundheitlichen Gründen risikobehaftet ist. Die moderne Schmerztherapie (multimodale Schmerztherapie) verfügt über hilfreiche Behandlungsmöglichkeiten, die auch bei Koxarthrose z.T. zu erstaunlichen Resultaten führen.
Spezielle Schmerztherapie bei Koxarthrose (primäre und symptomatische)
Medikamentöse Schmerztherapie
bei Koxa
rthrose (primäre und symptomatische):
Akut (= plötzlich
einsetzend, heftig) und subakut
können zunächst (vorwiegend) peripher wirkende
Analgetika (=
Schmerzmittel, die
am Ort der
Schmerz
entstehung wirken)
eingesetzt werden, insbesondere sog. nicht steroidale Antirheumatika
(= Rheumamittel),
aus dieser Gruppe möglichst lang
wirkende und magenschonende wie z.B. Mobec®). Besonders magenschonend und auch
entzündungshemmend sind die sog. COX-2 Inhibitoren, z.B. Parecoxib (Dynastat®)
oder Etoricoxib (Arcoxia®), allerdings scheint diese Stoffgruppe mit
einem Herz-/Kreislauf-Risiko verbunden zu sein, zumindest bei längerer
Therapiedauer. Es bleibt abzuwarten, ob Parecoxib und Etoricoxib nicht auch noch
vom Markt genommen werden, wie schon andere Mittel dieser Stoffgruppe zuvor.
Auch Lumiracoxib (Prexige®) ist ein sog. COX-2-Hemmer. Dieses Medikament
soll sich in der Synovia
(= schleimhaltige, fadenziehende
Gelenk
flüssigkeit bzw.
Gelen
k schmiere) anreichern und
deshalb für die
Schmerztherapie bei
Gelen kversch
leiß
besonders geeignet sein.
Bei stärkeren schmerzhaften Muskelverspannungen können darüber hinaus auch
Muskelrelaxanzien
(= Mittel zur Muskelentspannung)
(z.B. Norflex®, Mydocalm®) verordnet werden.
Manchmal sind aber die Schmerzzustände bei
Koxa
rthrose
(primäre und symptomatische) nur mit zentralwirkenden
Analgetika (z.B. Tramadol,
Valoron N® oder gar Morphin)
(= im Gehirn bzw.
Rücken
mark wirkende
Schmerzmittel)
beherrschbar.
Grundsätzlich sollte aber eine längerfristige Schmerzmittelverordnung wegen der
Gefahr der Gewöhnung oder gar
Schmerzmittelabhängigkeit
vermieden werden.
Die Kombination mit schmerzdistanzierenden
Antidepressiva
(= Mittel gegen
Depression, aber auch bei chronischen
Schmerzen wirksam)
(z.B. Doxepin, Maprotilin) hilft in vielen Fällen Schmerzmittel
einzusparen.
Therapeutische Lokalanästhesie
(= Behandlung mit einem örtlichen
Betäubungsmittel)
zur
Schmerzbehandlung:
Bei anhaltenden Schmerzen aufgrund
einer Koxa
rthrose
sollten rechtzeitig alternative Methoden eingesetzt werden. Eine sehr wirksame
Alternative, ohne jedes Gewöhnungs- oder Suchtpotential, ist die
therapeutische Lokalanästhesie
mit einem lang wirkenden örtlichen Betäubungsmittel (z.B.
Bupivacain) in Form von örtlichen Betäubungen und
Nervenblockade
n. Dabei wird das schmerzhafte Gelen k wiederholt (stationär
bei uns zwei mal täglich) großzügig perikapsulär
(= um die Gelenkkapsel herum)
infiltriert. Das Gelen k kann auch mit
"Zeel" umspritzt werden, was manchen Patienten mit "homöopathischer"
Grundeinstellung sehr entgegen kommt.
Als nächst höhere Therapiestufe sind bei schmerzhafter
Koxa
rthrose
häufig auch
Katheterverfahren
sinnvoll. Hierbei wird über einen dünnen Kunststoffschlauch, der in örtlicher
Betäubung dicht an schmerzleitende
Nerven
strukturen gelegt wird, mehrfach täglich ein
örtliches Betäubungsmittel
eingespritzt. Der Katheter wird nach ca. 14-tägiger, konsequenter
Behandlungszeit dann wieder entfernt.
Die das Hüftgelen
k versorgende Ner ven stammen ja aus
dem sog. Pl
exus lum balis
(= Nervengeflecht der
Lende).
Dieser
Plexus kann über
den Nervus femora
lis
(= vorderer
Oberschenkel
nerv), der selbst dem Pl
exus lum balis
entstammt, betäubt werden. Der dünne Kunststoffschlauch (Katheter) wird deshalb
etwas unterhalb der
Leiste an den
vorderen Oberschenkelnerv gelegt, und zwar genau in dessen Ner
venscheide (=
Gewebsumhüllung der Nervs). Während nun das
verdünnte
Lokalanästhetikum
(=
örtliches Betäubungsmittel)
mehrmals täglich in den Katheter eingespritzt wird, wird der Oberschen
kel mit einer Manschette unterhalb der Kathetereinstichstelle abgestaut.
Auf diese Weise wird das eingespritzte örtliche Betäubungsmittel innerhalb der
Ner
venscheide nach oben „getrieben“ und betäubt
dann zusätzlich den Pl
exus lum balis und damit auch
das Hüftgelen
k.
Wenn die
Koxarthrose
beiderseits besteht, wird man eher die epidurale
(= rückenmarknahe)
Betäubung mit Katheter durchführen.
Grundsätzlich wird das
Lokalanästhetikum
jeweils so verdünnt verabreicht, daß nur die Sensibilität
(= u.a.
Schmerz
empfindung)
betroffen ist, die Motorik
(=
Muskel
funktion)
aber erhalten bleibt und damit begleitend intensive, gelenkfunktionserhaltende
sowie funktionsfördernde krankengymnastische Übungsbehandlungen möglich sind,
bzw. bei stärkeren
Schmerz en durch Hemmung der
Nozizeption (=
Schmerz
reizleitung) erst
in vollem Umfang möglich werden.
Nervenblockaden
haben darüber hinaus einen sehr günstigen Nebeneffekt. Durch die gleichzeitige
Blockade vegetativer Nervenfaseranteile
(= Ner
ven des unwillkürlichen
Nervensystems) kommt es im
korrespondierenden Gewebebereich zu einer sehr deutlichen Mehrdurchblutung,
die jedem entzündlich/degenerativen Prozeß nachhaltig entgegenwirkt. In diesem
Sinne ist bei Koxa
rthrose
diese Behandlung nicht nur symptomatisch
(= nicht nur auf den Schmerz
gerichtet), sondern auch kurativ
(= heilend).
Aktuell schreibt die
Deutsche Arthrose-Hilfe e.V. dazu:
" Was tun gegen
Arthrose
in der Hüf
te?
Schmerzen in der Hüf
te können in vielen Fällen auf eine
Durchblutungsstörung hinweisen, die sogar zu einem Zusammenbrechen des
Hüftkopfs führen kann. Oft entwickelt sich dann eine besonders schwere Ar
throse des
Hüf
tgelenk
s."
Physikalische
Schmerztherapie:
Auch eine Elektrostimulation kann bei
Koxarthrose
(primäre und symptomatische) eine Linderung der Schmerzen herbeiführen.
Die transkutane Nervenstimulation mit Niederfrequenzgenerator (TENS)
hat den Vorteil, daß sich die Patienten bei Bedarf selbst behandeln können. Die
Elektroden werden paarig über dem Gelen k aufgeklebt. Durch
Veränderung der Stimulationsfrequenz und der Elektrodengröße kann die Wirkung
optimiert werden.
Eine weitere physikalische Behandlungsmöglichkeit ist die oberflächliche
Kältetherapie im Schmerzbereich. Wir verwenden einen elektrischen
Kaltluftgenerator, dessen Luftstrom auf ca. -10 bis -15 Grad C abgekühlt ist.
Manche Patienten mit einer
Koxa
rthrose
empfinden allerdings lokale Wärmeapplikationen (Rotlicht) als besser
wirksam. Warme Bäder können ebenfalls Schmerzen in den
Hüf ten
lindern.
Die Verordnung von Massagen ist auch bei
Koxa
rthrose nicht
sinnvoll. Für den Patient mag diese Behandlung zwar angenehm sein, aber unter
schmerztherapeutischem Aspekt bringt sie nichts und führt nur zu unnötigen
Kosten.
Nahezu unverzichtbar ist aber die heilgymnastische Therapie, da meist nur
diese geeignet ist, Gelenkfunktionen zu fördern bzw. zu erhalten.
Andere Maßnahmen zur
Schmerztherapie:
Der Vollständigkeit halber darf die
Akupunktur
(Schmerzakupunktur)
zur Behandlung einer schmerzhaften
Koxarthrose
nicht unerwähnt bleiben. Auch eine
Magnetfeldtherapie (pulsierende
Signaltherapie) kann bei
Koxarthrose
hilfreich sein, gleiches gilt für die
Hochtontherapie.
Hypnoide (=
bewußtseinsverändernde) Verfahren
wie autogenes Training oder progressive Relaxation nach Jakobson sind im Rahmen
der
psychologischen Schmerztherapie eine sinnvolle Ergänzung der
Gesamtstrategie. Bei chronischen Schmerz
en aufgrund einer Koxarthrose
ist auch ein
Schmerzbewältigungstraining sinnvoll.
Weitere
Arthrosen:
Gonarthrose
Omarthrose
Sprunggelenkarthrose
Handgelenkarthrose
Spondylarthrose
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Aktualisiert: >10.04.2007</>
kusB
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